Job 25 – Freizeitpark-Betreiberin

„Kommst du gleich noch mit in den Whirlpool?“, fragt mich Oliver, während er auf eine Lok zeigt, die den Schriftzug „Einar, der Entgleiste“ trägt. Olli sprintet die Stahltreppe der Lok herauf, dreht an einer Kurbel und schwenkt die Abdeckung des Whirlpools, der sich hinten auf der Lok unter freiem Himmel befindet, zur Seite. „Fühl mal, ist total warm!“, werde ich aufgefordert. Tatsächlich. Ich drehe mich um. Dort, wo der Lokführer zu erwarten wäre, finde ich eine Dusche, eine Freilicht-Toilette und den Eingang zu einer Sauna, die sich im Inneren der Lok befindet. „Ich hab´ gar keinen Bikini und kein Handtuch mit“, beantworte ich Ollis Frage und bekomme ein grinsendes „Macht doch nichts“ zurück. Read More

Job 24 – Opernagentin

In einem rosafarbenen Morgenmantel steht sie in knapp zwanzig Meter Entfernung vor mir und schreit. In der Hand hält sie einen Telefonhörer, der Opfer ihres emotionalen Zusammenbruchs wird. Sie weint. Ich verstehe nicht, was die Frau sagt, ich glaube, sie spricht französisch. Dem leidenden Ausdruck in ihrem Gesicht zu Folge kann es sich am anderen Ende der Leitung nur um einen Mann handeln. Sie wirkt ein wenig wahnsinnig. Ich kann meinen Blick nicht von ihr wenden. Read More

Job 23 – Referentin in einer gemeinnützigen Organisation

Elyas M’Barek, wo bist du, wenn man dich braucht? In dieser Woche kann ich deine pädagogisch wertvolle Hilfe nämlich gut gebrauchen. Ich bin bei der gemeinnützigen Organisation Joblinge, die Jugendlichen dabei hilft, eine Ausbildung oder einen Job zu finden und möglichst auch zu behalten. Aber entgegen meiner Vermutung treffe ich in München nicht auf lauter motivierte Jugendliche, sondern eher auf einen Haufen, den man so auch im Film „Fack ju Göhte“ hätte antreffen können und von denen die meisten noch lernen müssen, um was es alles gerade bei ihnen geht. Read More

Job 22 – Concept Artist

Wenn Björn von Fettes Brot davon rappt, dass er ein Mädchen in Hammerbrook liebt (erst digital, dann analog), kann er eigentlich nur von Ariel der Meerjungfrau sprechen, die ich Mensch geworden in meinem Job als Concept Artist bei InnoGames, einer der größten deutschen Computerspiele-Entwicklungsfirmen, antreffe. Mit langem roten Haar, einem Leder-Minirock, einer durchsichtigen schwarzen Bluse und schwarzen Plateau-Stiefeln schüttelt sie mir zur Begrüßung die Hand und stellt sich als Olga vor.  Read More

Job 21 – Tanzlehrerin

In Wien, der Stadt des Walzers, teste ich in dieser Woche den Beruf der Tanzlehrerin. Ganz umsonst bekomme ich noch einen zweiten Job dazu: Fitnesstrainerin. Diese Woche wird also anstrengend. Ob ich tanzen kann? Nö. Was aber nicht heißt, dass ich es nicht gern tue. Am liebsten allerdings, wenn niemand zusieht und die Musik bis zum Anschlag aufgedreht ist. Meine Leidenschaft für heimliches Tanzen endete für mich übrigens schon einmal um halb eins nachts in der Notaufnahme.

Nach einem Kickbox-Training am Donnerstagabend fiel mir ein neues, mitreißendes Lied in die Hände. Mit Kopfhörern ausgestattet sprang und tanzte ich bei höchster Lautstärke durch meine Wohnung – bis ich ungünstig landete und der Schmerz in meinem Fuß einen Besuch beim Arzt empfahl. Der Ärztin in der Notaufnahme erzählte ich, der Unfall hätte sich beim Kickboxen zugetragen. Die Tanz-Geschichte war mir einfach zu peinlich. Was mir wiederum eine Schelte von meinem Kickbox-Trainer einbrachte. So würden die Vorurteile gegenüber seiner in Wirklichkeit harmlosen Sportart entstehen. Ich hatte Glück im Unglück und so zeigte das Röntgenbild lediglich eine kleine Knochenabsplitterung. Read More

Job 20 – Tierpräparatorin

Stell dir vor, Angela Merkel ruft bei dir an und fragt, ob du morgen Zeit hast, um auf einen Kaffee bei ihr vorbeizukommen. Was antwortest du?

Es gibt Einladungen, die schlägt man nicht aus. So geht es mir, als sich Miriam vom Naturhistorischen Museum in Wien bei mir meldet und mir ein Praktikum anbietet. Das NHM gilt als eines der bedeutendsten Naturmuseen der Welt und fragt mich, ob ich vorbei kommen möchte. Na klar, ich bin begeistert! Bis ich lese, um welchen Job es sich handelt. Tierpräparatorin. Wie widerlich. Read More

Job 19 – Programm-Managerin Entwicklungszusammenarbeit

Dass Wissen Macht ist, wusste ich schon. Wie weh Wissen aber auch tun kann, lerne ich in dieser Woche. Mal angenommen: Ich lebe in einer glücklichen Beziehung mit meinem Freund. Er ist die Person, die mich ergänzt, mit der ich gemeinsam lachen kann und die mir ungefragt Wein nachschenkt, wenn ich denke, dass es ruhig noch ein Schlückchen sein dürfte. Wären da nicht immer wieder die Lippenstiftflecken auf seinem Hemdkragen. Das Frauenparfum, das in seinen Haaren hängt, wenn er nach vielen Überstunden geschafft nach Hause kommt und „einfach nur noch schlafen will“. Die Rechnungen für Hotelaufenthalte, die aus seiner Aktentasche herauslugen. Mühe, die Zeichen zu verstecken, macht er sich keine. Ich nehme ein Stück Gallseife und rubbele an dem Fleck auf seinem Hemd herum. War da was? Die Rechnungen schiebe ich mit den Fingerspitzen wieder zurück in die Tasche. Ich habe nichts gesehen. Ich liege noch länger wach. Mein Magen krampft. Sollte ich doch genauer hinsehen? Ihn fragen und mit meinen Vermutungen konfrontieren? Muss ich mich trennen, falls ich Recht habe? Die Wohnung auflösen, die Möbel aufteilen? Einsam sterben? Read More

Job 18 – Texterin

Ballindamm, Hausnummer 9. Hamburg. Mit der Binnenalster im Rücken starre ich auf eine Glastür, hinter der sich eine seltsame Dunkelheit auftut. Die Tür geht auf, ein Mann kommt heraus. Ich erhasche einen Blick auf schwache Lichter, die sich auf Hüfthöhe zu befinden scheinen. Die Tür, die mich in die erste Liga der Marketing-Welt führen soll, fällt wieder zu. Ich klingele, der Türsummer antwortet. Ich trete ein und folge einem dunklen Gang rechtsherum in Richtung einer schwachen Lichtquelle. Read More

Job 17 – Pathologin

Mein Herz hüpft, wenn ich hier so sitze und mir die vergangenen Tage durch den Kopf gehen lassen. Ich bin einfach verzückt, auf welch´ großartige Weise der menschliche Körper funktioniert. Am Mittwochabend kurz vorm Einschlafen spüre ich, wie meine Organe im Bauchraum in Richtung Matratze rutschen, als ich mich auf die Seite drehe, spüre, wie meine Lunge arbeitet und meinen Brustkorb hebt und wieder senkt. Ich lebe. Und mein Körper funktioniert. Und die Organe – alle gehören mir. Ich schlafe mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein und in dieser Nacht so gut wie lange nicht mehr. Read More