Job 28 – Tischlerin

Job 28 – Tischlerin

Der Countdown läuft: In dieser Woche starte ich in meinen drittletzten Job. Zeit sich noch einmal die Hände schmutzig zu machen und „richtig“ zu arbeiten. Dazu statte ich der ostfriesischen Tischlerei Dock Zwo einen Besuch ab. Nicht ganz ohne Bedenken betrete ich Dienstagmorgen die Werkstatt von Tischlermeister Daniel und Betriebswirt Jens. Ob ich nach meinem Praktikum noch genauso viele Finger wie vorher haben werde? Als ich Daniel meine Bedenken mitteile, streckt er mir als Antwort seinen verkürzten Daumen entgegen und lächelt. „Ein bisschen Schwund ist immer.“ Weiterlesen

Job 27 – Pastorin

Job 27 – Pastorin

Wir leben auf einem blauen Planet
Der sich um einen Feuerball dreht
Mit ´nem Mond, der die Meere bewegt
Und du glaubst nicht an Wunder

Marteria

Glauben. Heißt etwas nicht zu wissen, es aber dennoch für wahr zu halten. Als sachlicher Mensch mit einer Vorliebe für harte Fakten liegt mir „glauben“ nicht besonders gut. Genauso wie Gefühle. Umso schlimmer eigentlich, dass mich ausgerechnet die Kombination aus Gefühl und Glauben in meine Traumjobsuche drängten. Das Gefühl des Mangels, obwohl ich objektiv betrachtet alles habe und der Glaube an einen Zustand, in dem alles gut und genug ist. Ich konterte mit einem Plan: 30 Jobs in 12 Monaten. Genügend Jobs, dass schon einer dabei sein wird und genügend Zeit, um eine ausgewogene Entscheidung treffen zu können. Weiterlesen

Job 26 – Journalistin Print

„Lasst die Literaturfestspiele beginnen!“, ruft mir mein Couchsurfer am Frühstückstisch entgegen und grinst mich an. Im Hintergrund dudelt Hare Krishna Musik, die Kerze auf dem Tisch brennt. Meinen Job im morgendlichen Ritual kenne ich bereits und öffne das Buch mit den buddhistischen Kurzgeschichten auf der Seite, auf der ich es tags zuvor zugeklappt hatte. Ich beginne vorzulesen. Unsere heutige Geschichte handelt von einem Junior-Mönch, der die Senior-Mönche beneidet, bis er selbst Senior-Mönch wird und plötzlich lieber wieder ein Junior-Mönch wäre. Sinngemäß: Das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner. Kurze Zeit später stehe ich mit der elektrischen Zahnbürste im Mund vor dem Badezimmerspiegel. Mittlerweile schallt auf voller Lautstärke „The Crown and the Ring“ der Heavy Metal Band Manowar durch die Wohnung und lässt selbst den letzten Winkel nicht unbewohnt. Eine Orgel und ein vollmundiger Männerchor leiten den Refrain des Liedes ein, mein Couchsurfer singt mit. Mein Grinsen wird immer breiter. Weiterlesen

Job 25 – Freizeitparkbetreiberin

„Kommst du gleich noch mit in den Whirlpool?“, fragt mich Oliver, während er auf eine Lok zeigt, die den Schriftzug „Einar, der Entgleiste“ trägt. Olli sprintet die Stahltreppe der Lok herauf, dreht an einer Kurbel und schwenkt die Abdeckung des Whirlpools, der sich hinten auf der Lok unter freiem Himmel befindet, zur Seite. „Fühl mal, ist total warm!“, werde ich aufgefordert. Tatsächlich. Ich drehe mich um. Dort, wo der Lokführer zu erwarten wäre, finde ich eine Dusche, eine Freilicht-Toilette und den Eingang zu einer Sauna, die sich im Inneren der Lok befindet. „Ich hab´ gar keinen Bikini und kein Handtuch mit“, beantworte ich Ollis Frage und bekomme ein grinsendes „Macht doch nichts“ zurück. Weiterlesen

Job 24 – Opernagentin

In einem rosafarbenen Morgenmantel steht sie in knapp zwanzig Meter Entfernung vor mir und schreit. In der Hand hält sie einen Telefonhörer, der Opfer ihres emotionalen Zusammenbruchs wird. Sie weint. Ich verstehe nicht, was die Frau sagt, ich glaube, sie spricht französisch. Dem leidenden Ausdruck in ihrem Gesicht zu Folge kann es sich am anderen Ende der Leitung nur um einen Mann handeln. Sie wirkt ein wenig wahnsinnig. Ich kann meinen Blick nicht von ihr wenden. Weiterlesen

Job 23 – Referentin in einer gemeinnützigen Organisation

Elyas M’Barek, wo bist du, wenn man dich braucht? In dieser Woche kann ich deine pädagogisch wertvolle Hilfe nämlich gut gebrauchen. Ich bin bei der gemeinnützigen Organisation Joblinge, die Jugendlichen dabei hilft, eine Ausbildung oder einen Job zu finden und möglichst auch zu behalten. Aber entgegen meiner Vermutung treffe ich in München nicht auf lauter motivierte Jugendliche, sondern eher auf einen Haufen, den man so auch im Film „Fack ju Göhte“ hätte antreffen können und von denen die meisten noch lernen müssen, um was es alles gerade bei ihnen geht. Weiterlesen

Job 22 – Concept Artist

Wenn Björn von Fettes Brot davon rappt, dass er ein Mädchen in Hammerbrook liebt (erst digital, dann analog), kann er eigentlich nur von Ariel der Meerjungfrau sprechen, die ich Mensch geworden in meinem Job als Concept Artist bei InnoGames, einer der größten deutschen Computerspiele-Entwicklungsfirmen, antreffe. Mit langem roten Haar, einem Leder-Minirock, einer durchsichtigen schwarzen Bluse und schwarzen Plateau-Stiefeln schüttelt sie mir zur Begrüßung die Hand und stellt sich als Olga vor.  Weiterlesen

Job 21 – Tanzlehrerin

Job 21 – Tanzlehrerin

In Wien, der Stadt des Walzers, teste ich in dieser Woche den Beruf der Tanzlehrerin. Ganz umsonst bekomme ich noch einen zweiten Job dazu: Fitnesstrainerin. Diese Woche wird also anstrengend. Ob ich tanzen kann? Nö. Was aber nicht heißt, dass ich es nicht gern tue. Am liebsten allerdings, wenn niemand zusieht und die Musik bis zum Anschlag aufgedreht ist. Meine Leidenschaft für heimliches Tanzen endete für mich übrigens schon einmal um halb eins nachts in der Notaufnahme.  Weiterlesen

Job 20 – Tierpräparatorin

Job 20 – Tierpräparatorin

Stell dir vor, Angela Merkel ruft bei dir an und fragt, ob du morgen Zeit hast, um auf einen Kaffee bei ihr vorbeizukommen. Was antwortest du?

Es gibt Einladungen, die schlägt man nicht aus. So geht es mir, als sich Miriam vom Naturhistorischen Museum in Wien bei mir meldet und mir ein Praktikum anbietet. Das NHM gilt als eines der bedeutendsten Naturmuseen der Welt und fragt mich, ob ich vorbei kommen möchte. Na klar, ich bin begeistert! Bis ich lese, um welchen Job es sich handelt. Tierpräparatorin. Wie widerlich. Weiterlesen

Job 19 – Programm-Managerin Entwicklungszusammenarbeit

Job 19 – Programm-Managerin Entwicklungszusammenarbeit

Dass Wissen Macht ist, wusste ich schon. Wie weh Wissen aber auch tun kann, lerne ich in dieser Woche. Mal angenommen: Ich lebe in einer glücklichen Beziehung mit meinem Freund. Er ist die Person, die mich ergänzt, mit der ich gemeinsam lachen kann und die mir ungefragt Wein nachschenkt, wenn ich denke, dass es ruhig noch ein Schlückchen sein dürfte. Wären da nicht immer wieder die Lippenstiftflecken auf seinem Hemdkragen. Das Frauenparfum, das in seinen Haaren hängt, wenn er nach vielen Überstunden geschafft nach Hause kommt und „einfach nur noch schlafen will“. Die Rechnungen für Hotelaufenthalte, die aus seiner Aktentasche herauslugen. Mühe, die Zeichen zu verstecken, macht er sich keine. Ich nehme ein Stück Gallseife und rubbele an dem Fleck auf seinem Hemd herum. War da was? Die Rechnungen schiebe ich mit den Fingerspitzen wieder zurück in die Tasche. Ich habe nichts gesehen. Ich liege noch länger wach. Mein Magen krampft. Sollte ich doch genauer hinsehen? Ihn fragen und mit meinen Vermutungen konfrontieren? Muss ich mich trennen, falls ich Recht habe? Die Wohnung auflösen, die Möbel aufteilen? Einsam sterben? Weiterlesen