Konsumverzicht

Fünf Gründe für Konsumverzicht und was das mit beruflicher Orientierung zu tun hat

Aus 2019 werde ich ein konsumfreies Jahr machen. Dass Konsumverzicht glücklich macht, habe ich schon einmal erlebt. Alle materiellen Konsumgüter sind deswegen dieses Jahr für mich Tabu. Ausgenommen sind Lebensmittel und Körperpflege-Produkte, die ich vor dem Kauf allerdings restlos aufgebraucht haben muss. Von allem anderen heißt es: Pfoten weg!

Warum das Ganze? 

In 2013 habe ich schon einmal ein ähnliches Experiment gemacht und habe ein halbes Jahr auf den Konsum verzichtet. Ich hatte mir damals ein Konsumverhalten angewöhnt, bei dem neue Kleider ungetragen im Schrank hängen blieben. Damals wollte ich wissen, was der Konsum mit mir macht.  Read More

Hebamme

Job 30 – Hebamme

Knapp fünfzig Wochen nachdem ich mir meinen Weg durch kindersichere Türen zu meinem ersten Job als Erzieherin bahnte, finde ich mich in einer ähnlichen Situation in Bayreuth wieder. Ich finde den Eingang nicht zu meinem letzten Job, der einen Schritt vor dem der Erzieherin ansetzt. Durch eine Gartenpforte betrete ich das Grundstück der in der E-Mail angegebenen Adresse, die mir Hebamme Stefanie einen Tag zuvor geschickt hatte. Links von mir befindet sich eine weitere Pforte, die zu einer Terrasse führt. Rechts von mir ein Gartenhäuschen, vor mir der Garten. Ich entscheide mich für den Garten und finde hinter dem Haus tatsächlich die Eingangstür mit Klingel und Namensschild. Wer sie heute wohl öffnen wird? Read More

Job 29 – Politikerin

„Politiker sind der letzte Dreck“, kommt es mir fast jedes Mal entgegen, wenn ich erzähle, wohin mich meine letzten Jobs bringen werden. Dabei gucke ich in missbilligende Gesichter. „Den Job brauchst du gar nicht erst testen!“. Ich fühle mich schuldig und tue es trotzdem.

In Brüssel treffe ich auf Matthias Groote, SPD Mitglied und EU Abgeordneten. Im vergangenen Jahr hatte er noch als jüngster Vorsitzender aller Zeiten den Vorsitz des Umweltausschusses, kurz ENVI, inne. Seit 2014 ist Matthias Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. „Wir teilen uns Matthias in einer Dreier-Beziehung mit dem deutschen Wahlkreis und seiner Familie“, erzählt mir Tara, eine Mitarbeiterin des Brüsseler Büros. „Matthias arbeitet sieben Tage die Woche. Die einzige Regel ist, keine Termine am Sonntag nach 14 Uhr zu vereinbaren.“

Bei einem Abendessen lerne ich Matthias am Montag dann persönlich kennen. Er ist frisch aus dem Wahlkreis gekommen. Schnell wird klar, dass Matthias sagt, was er denkt und viele unserer Ansichten übereinstimmen. Ich kann dem Zufall wieder einmal gratulieren, dass er mich zum 29. Mal zur richtigen Adresse gebracht hat. So gefällt mir das.

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Tischlerin

Job 28 – Tischlerin

Der Countdown läuft: In dieser Woche starte ich in meinen drittletzten Job. Zeit sich noch einmal die Hände schmutzig zu machen und „richtig“ zu arbeiten. Dazu statte ich der ostfriesischen Tischlerei Dock Zwo einen Besuch ab. Nicht ganz ohne Bedenken betrete ich Dienstagmorgen die Werkstatt von Tischlermeister Daniel und Betriebswirt Jens. Ob ich nach meinem Praktikum noch genauso viele Finger wie vorher haben werde? Als ich Daniel meine Bedenken mitteile, streckt er mir als Antwort seinen verkürzten Daumen entgegen und lächelt. „Ein bisschen Schwund ist immer.“  Für mich werden die ganz gefährlichen Maschinen in den nächsten Tagen also Tabu sein. Read More

Job 27 – Pastorin

Wir leben auf einem blauen Planet
Der sich um einen Feuerball dreht
Mit ´nem Mond, der die Meere bewegt
Und du glaubst nicht an Wunder

Marteria

Glauben. Heißt etwas nicht zu wissen, es aber dennoch für wahr zu halten. Als sachlicher Mensch mit einer Vorliebe für harte Fakten liegt mir „glauben“ nicht besonders gut. Genauso wie Gefühle. Umso schlimmer eigentlich, dass mich ausgerechnet die Kombination aus Gefühl und Glauben in meine Traumjobsuche drängten. Das Gefühl des Mangels, obwohl ich objektiv betrachtet alles habe und der Glaube an einen Zustand, in dem alles gut und genug ist. Ich konterte mit einem Plan: 30 Jobs in 12 Monaten. Genügend Jobs, dass schon einer dabei sein wird und genügend Zeit, um eine ausgewogene Entscheidung treffen zu können. Read More

Job 26 – Journalistin Print

„Lasst die Literaturfestspiele beginnen!“, ruft mir mein Couchsurfer am Frühstückstisch entgegen und grinst mich an. Im Hintergrund dudelt Hare Krishna Musik, die Kerze auf dem Tisch brennt. Meinen Job im morgendlichen Ritual kenne ich bereits und öffne das Buch mit den buddhistischen Kurzgeschichten auf der Seite, auf der ich es tags zuvor zugeklappt hatte. Ich beginne vorzulesen. Unsere heutige Geschichte handelt von einem Junior-Mönch, der die Senior-Mönche beneidet, bis er selbst Senior-Mönch wird und plötzlich lieber wieder ein Junior-Mönch wäre. Sinngemäß: Das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner.

Kurze Zeit später stehe ich mit der elektrischen Zahnbürste im Mund vor dem Badezimmerspiegel. Mittlerweile schallt auf voller Lautstärke „The Crown and the Ring“ der Heavy Metal Band Manowar durch die Wohnung und lässt selbst den letzten Winkel nicht unbewohnt. Eine Orgel und ein vollmundiger Männerchor leiten den Refrain des Liedes ein, mein Couchsurfer singt mit. Mein Grinsen wird immer breiter. Read More

Job 25 – Freizeitpark-Betreiberin

„Kommst du gleich noch mit in den Whirlpool?“, fragt mich Oliver, während er auf eine Lok zeigt, die den Schriftzug „Einar, der Entgleiste“ trägt. Olli sprintet die Stahltreppe der Lok herauf, dreht an einer Kurbel und schwenkt die Abdeckung des Whirlpools, der sich hinten auf der Lok unter freiem Himmel befindet, zur Seite. „Fühl mal, ist total warm!“, werde ich aufgefordert. Tatsächlich. Ich drehe mich um. Dort, wo der Lokführer zu erwarten wäre, finde ich eine Dusche, eine Freilicht-Toilette und den Eingang zu einer Sauna, die sich im Inneren der Lok befindet. „Ich hab´ gar keinen Bikini und kein Handtuch mit“, beantworte ich Ollis Frage und bekomme ein grinsendes „Macht doch nichts“ zurück. Read More

Job 24 – Opernagentin

In einem rosafarbenen Morgenmantel steht sie in knapp zwanzig Meter Entfernung vor mir und schreit. In der Hand hält sie einen Telefonhörer, der Opfer ihres emotionalen Zusammenbruchs wird. Sie weint. Ich verstehe nicht, was die Frau sagt, ich glaube, sie spricht französisch. Dem leidenden Ausdruck in ihrem Gesicht zu Folge kann es sich am anderen Ende der Leitung nur um einen Mann handeln. Sie wirkt ein wenig wahnsinnig. Ich kann meinen Blick nicht von ihr wenden. Read More

Job 23 – Referentin in einer gemeinnützigen Organisation

Elyas M’Barek, wo bist du, wenn man dich braucht? In dieser Woche kann ich deine pädagogisch wertvolle Hilfe nämlich gut gebrauchen. Ich bin bei der gemeinnützigen Organisation Joblinge, die Jugendlichen dabei hilft, eine Ausbildung oder einen Job zu finden und möglichst auch zu behalten. Aber entgegen meiner Vermutung treffe ich in München nicht auf lauter motivierte Jugendliche, sondern eher auf einen Haufen, den man so auch im Film „Fack ju Göhte“ hätte antreffen können und von denen die meisten noch lernen müssen, um was es alles gerade bei ihnen geht. Read More